Wach auf. Es beginnt mit einem Kompliment. Genau da hättest du stutzen sollen.
„Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und niemanden fürchtest." Schön. Wer dich so streichelt, greift dir gleich an die Kehle. Merk dir das.
Dann die Frage. Steuer zahlen — ja oder nein? Zwei Türen. Beide führen in die Grube. Sag ja: Du kriechst vor Rom, die Frommen spucken. Sag nein: Du bist Aufwiegler, und die Soldaten stehen heute Abend vor deiner Tür. Ein Drittes ist nicht vorgesehen. So ist die Falle gebaut.
Und du? Du fällst rein. Jedes Mal. Jemand hält dir zwei Kästchen hin, und schon kreuzt du gehorsam eines an. Als gäbe es nur die zwei. Als hätte man dir das Denken abgekauft.
Jesus kreuzt nichts an. Jesus antwortet nicht. Er sagt: Zeigt mir die Münze.
Und jetzt pass auf, was passiert. Einer aus dem frommen Kreis greift in den Beutel. Mitten im Tempel. Und legt einen Denar auf die Hand — die Münze des Kaisers, mit dem Bild, mit der Inschrift „Sohn des Göttlichen". Ein fremder Gott aus Metall. Im Tempel. In seiner Tasche.
Merkst du es? Der Empörte trägt den Kaiser bei sich. Täglich. Er benutzt ihn, er zählt mit ihm, er lebt von ihm. Und stellt sich hin und fragt scheinheilig, ob man ihm dienen dürfe. Die Empörung ist längst gekauft. Bezahlt mit der Münze, über die sie sich empört.
„Wessen Bild ist das?"
Vier Worte. Die Falle schnappt zu — nur nicht über dem, den sie fangen wollten. Sie schnappt über den Frägern selbst zu.
Aber jetzt kommt der Schlag, den keiner erwartet. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist" — und dann, leiser, schärfer: „und Gott, was Gottes ist." Hörst du, was da eben passiert? Die Münze trägt das Bild des Kaisers. Gut, dann gehört sie ihm. Ein Stück Metall, sein Gesicht drauf — nimm's, Kaiser, es ist deins. Aber wessen Bild trägst du?
Das ist die Sprengung. Du bist nach dem Bild Gottes gemacht. Sein Gesicht ist in dich geprägt, nicht auf ein Geldstück. Der Kaiser bekommt sein Münzchen zurück — winziges Almosen. Aber du? Du trägst kein fremdes Antlitz aus Metall, du trägst das Antlitz dessen, der dich gemacht hat. Also gib dem Kaiser seinen Groschen und behalt ihn dir nicht — und gib Gott, was Gottes ist: dich. Ganz. Nicht ein Zehntel, nicht den Sonntagsrest. Dich selbst, weil du sein Ebenbild bist und niemandem sonst gehörst.
Also hör zu, du Schläfer. Wenn dir einer zwei Optionen hinlegt und sagt, mehr gibt es nicht — dann lügt er. Immer. Die dritte Tür verschweigt man dir, damit du durch eine der zwei gehst, die man dir gebaut hat.
Frag zurück. Frag: Wessen Bild ist das? Wer hat diese Frage gemünzt, und wer verdient daran? Dreh die Falle um. Zwing den Fänger, seinen eigenen Beutel zu öffnen. Und vergiss über all dem Kaiser das Entscheidende nicht: Der Kaiser will deine Münze. Gott will dich.
Steh auf. Kreuz nichts an. Frag zurück. Gib dem Kaiser sein Metall — und gib dich dem, dessen Bild du trägst. Amen.